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Publikumsdiskussion der Filmpremiere von "Jung und Moslem. Teil 2" am 16.11.2006

600 ZuschauerInnen bei der Filmvorführung, ca. 150 bei der anschließenden 80minütigen Diskussion

 Zur Videoproduktion "Jung und Moslem 2"



Zuschauer 1: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Also ich fand es ganz gut, dass ihr am Anfang gesagt habt, dass der Film nicht den Islam repräsentiert, sondern nur einzelne Anschauungen von den Menschen. Ich find das ganz wichtig, weil: ein Mensch hat nicht das Recht dazu daran zu zweifeln. Das Gebet ist wichtig, und das Gebet muss man eigentlich einhalten.

Also jeder kann das für sich selbst entscheiden. Der Islam lebt vom freien Willen. Nur, die Gefahr besteht auch, wenn man anfängt zu sehen, dass Leute sich die Religion selbst machen. und dann die Leute anfangen, den Muslime vorzuwerfen: Warum macht ihr das nicht genauso, wenn es gerade um das Thema Integration geht. Also: man muss schon einen Grundwert behalten, aber wie gesagt, jeder muss das auch für sich selbst entscheiden. Nur, es ist ganz wichtig, was sie gesagt haben, dass der Film wirklich nicht über den Islam aufklärt sondern halt nur verschiedenen Sichtweisen. Danke.«

Zuschauer 2: »Also schönen Guten Abend erst einmal alle zusammen. Ich schätze das sehr, was heute hier veranstaltet wurde. Assalamualeikum wa rahmatullahi wa barakatuh. Und ich wollte mal generell was sagen. Das ist zum Thema Islam, und wie der Islam gehandhabt wird. Also, mir hat mal jemand was ganz Intelligentes gesagt: Der Islam, der kommt von Gott, und der steht da. Also, die Religion ist Gottes und bei Gott und was der Mensch daraus macht, das ist nur er selbst. Also, wenn man über die Menschen urteilt, dann soll man sagen: Abu (»Vater von«, wird als Beiname getragen, wenn man schon ein Kind hat), hallo, du hast das so und so gemacht als Mensch und du bist dafür verantwortlich. Und die Religion steht für sich.«

Zuschauer 3: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Ich habe eine kleine Kritik an der Regie, also ich möchte halt ein bisschen kritisieren. Mir hat eine Sache nicht gefallen. Und zwar wurde ganz klar deutlich gesagt, dass ein Mann im Islam 4 Frauen haben darf, aber es wurde nicht erklärt, wann, in welchem Zeitalter und warum. Und das ist die Hauptsache, die eigentlich erklärt werden sollte. Denn ein Mann darf heute nicht 4 Frauen heiraten aus Spaß. Das war zu dem Zeitpunkt, als die Frauen gegenüber den Männern in Überfluss waren und die Frauen finanziert werden sollten. Das wurde nicht genannt. Das ist das Wichtigste von all dem.«

Zuschauer 4: »Ja hallo zusammen. Ich wollte nur ganz kurz sagen: Man hat ja wunderbar in einem Film gesehen, dass Bildung und Islam zusammen gehören. Wenn man das trennt, funktioniert dies nicht richtig. Man muss sich über Religion selbst informieren, sonst hat man ein Problem, wie wir gesehen haben in manchen Filmen.«

Zuschauer 5: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Schönen Guten Abend, ich fand das super, diese Aktion hier. Also auch, dass man dadurch viele Vorurteile abschaffen kann. Ich find es nur schade, dass unter den Muslimen selber sehr viele Vorurteile sind. Wir schauen, der eine macht dies falsch, der andere macht das falsch, und im Endeffekt sind wir alle auf dem selben Weg. Und ich glaube, wir sollten alle ein bisschen toleranter mit uns gegenseitig sein.«

Zuschauer 6: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Ich möchte direkt darauf reagieren. Ich versteh schon, wenn du meinst, dass wir untereinander viele Vorurteile haben und so. Aber grad heute Abend war das irgendwie nicht der Fall. Also gerade der Film mit den Schiiten, Aleviten und Sunniten, muss man auch sagen, war ein tolles Beispiel dafür, dass man sich trotzdem respektieren kann. Und deswegen weiß ich jetzt nicht, in welchem Film du gesehen hast, dass wir uns untereinander so bekriegen. So generell kann ich das noch verstehen, aber jetzt, fand ich irgendwie, war das ein bisschen fehl am Platz.«

Zuschauer 5: »Du hast vollkommen recht. Es geht auch gar nicht um den Film. Ich sagte ja auch vorher, dass war eine super Aktion. Es ist eine super Idee, dass man wirklich diese Vorurteile abschafft. Es war generell gesehen und nicht nur auf diesen Film bezogen. Die Filme waren super. Man kriegt ja viele Sachen mit: Der eine macht dies, der andere macht das, das ist vielleicht nicht erlaubt und unter den Muslimen wird halt viel kritisiert, weil der eine vielleicht so den Islam lebt und der andere so. Der ist ein Typ von einer Sekte, die sind krank, die sind bekloppt, die machen Musik, dass darf man nicht, die machen dies nicht ndash das meinte ich eigentlich damit. Aber der Film war super. Also ich fand es perfekt. Danke.«

Zuschauer 7: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Wie ihr seht, habe ich den Film über den Iran gemacht. Ich war einen Monat lang im Iran und hab 25 Stunden Film mitgebracht. Es war im Ramadan und ich hatte sehr, sehr wenig Zeit, den Film fertig zu stellen. Gestern Nacht bis vier Uhr saßen wir noch an dem Film. Und ndash mein Film war halt deswegen leider etwas kürzer. Ich finde auch, in diesen Minuten konnte ich nicht die Message rüberbringen, die ich eigentlich rüberbringen wollte, sondern es war alles ein wenig verzerrt. Aber die neue längere Version kommt jetzt bald raus, wenn wir in den nächsten Tagen den Film fertig stellen. Aber ich möchte mich erst einmal noch beim Medienprojekt herzlich bedanken, und auch bei meinem Cutter Ché, denn so ein Film macht sehr, sehr viel Arbeit. Also ich weiß nicht, wie es bei den anderen war. Ich hab es ganz alleine gemacht, beziehungsweise halt mit dem Che. Auch meine Filmaufnahmen ndash ich saß Tag und Nacht daran, die Sachen zu übersetzen. Das, was ich aussagen wollte, war jetzt nicht vertreten, das wollte ich jetzt noch mal eben ausdrücken.

Aber noch eine Aussagen zu der zu den beiden Geschwistern, die hier gerade etwas gesagt haben. Die Muslime haben oft das Problem, dass wir uns gegenseitig kritisieren und immer nur die schlechten Sachen sehen. Etwas, das ich im Iran gelernt habe, war, dass man auch auf die guten Dinge schaut und nicht nur immer wie eine Mistfliege auf den Misthaufen geht. Man sollte auch auf die guten Sachen gehen und auch auf die Blumen schauen. Diese Sachen finde ich sehr besonders, wir Muslime schaffen es nicht, uns zusammen zu finden. In letzter Zeit ist es sehr, sehr schwierig geworden. Also, wir haben es etwas mehr geschafft. Aber hier sind jetzt viele Muslime vereint und insha-Allah (wenn Gott will), die letzte Film-Reihe (Jung und Moslem. Teil 1) war vielleicht nicht so gut und wir haben uns nicht so gut vertreten gefühlt. Vielleicht ist das ein Ansporn, dass wir noch mehr machen und viel bessere Filme machen und uns dadurch auch besser repräsentieren.«

Zuschauer 8: »Zuerst mal: Hallo, schönen guten Abend. Und zwar, was ich zu dem Film sagen wollte: Diese Art von Emanzipation, was da drin angesprochen wurde, das wird, glaube ich jetzt, in dieser jetzigen Zeit sehr viel von euch (muslimischen Mädchen und Frauen) gemacht, das ist erst einmal super von euch.

Und die andere Sache: Was der Islam mir gibt, das habe ich nicht in dem Islam gefunden, aber das hat sozusagen das gleiche ausgesagt. Und zwar, dass es eine Basis gibt, in der sich ein Mensch selbst kennen lernt und sich wieder entdeckt. Sozusagen der Weg in sich selbst, sein Inneres.

Und die andere Sache: Vielleicht gab es schon auch ein paar radikale Töne in dem Film: Zum Beispiel der Philosoph, der darüber gesprochen hat, dass die deutsche Seite sich mehr an die muslimische Seite anpassen müsste. Da gehtrsquos ja nicht um die Regel, die Deutschen sagen alle, Integration .... - So jetzt muss ich mich noch einmal wieder beruhigen und dann hol ich noch einmal aus und zwar folgendes: Ich glaube, das geht mehr um Akzeptanz auf beiden Seiten. Das heißt, wenn die einen Schritt auf uns zu machen, dann müssen wir zwei Schritte auf die zu machen.«



Zuschauer 9: »Ich wollte kurz auf dich eine Antwort geben. Der Philosoph hat nicht gesagt, dass die deutsche Seite sich an uns orientieren muss, sondern im Gegenteil: Er hat uns Mut gemacht, er hat uns gesagt, alles das, was positiv ist, integrieren wir in uns. Also es geht nicht darum, dass wir jetzt sagen: Oh, ich muss jetzt hinter der deutschen Kultur hinterher rennen oder so. Ganz im Gegenteil, wir sind hier, und das ist positiv. Und ich denke, das sollte jeder mitmachen, egal wo du bist, ob du in Deutschland, England, Frankreich oder sonst wo bist. Du wirst dir wohl kaum die schlechten Eigenschaften ndash wenn du klug bist ndash aneignen, sondern wirst gucken, was es Gutes gibt und das wirst du nehmen. Und genau das meinte er: Wenn wir so arbeiten, dann kann Deutschland auf uns eigentlich nur stolz sein, wenn wir alles Gute in uns vereinen.«

Zuschauer 10: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu, alle zusammen. Insgesamt lobe ich auch diese Dokumentation. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass jetzt viele Nicht-Muslime irritiert sind auf Grund der ganzen Kulturgeschichten hier. Ich find es auch immer sehr gemein, wenn man viele negative Aspekte raus nimmt aus dem Islam und die dann anprangert. Das kann man dann in jeder Religion machen. Man könnte jetzt auch herkommen und sagen: Das Christentum ist absolut schlecht, denn da gibt es die Kreuzzüge, und die haben das und das gemacht. Wenn wir jetzt anfangen, uns gegenseitig ständig zu kritisieren, dann kommen wir nicht weiter. Es wurde schon oft erwähnt, wir sollen uns die positiven Eigenschaften rausnehmen. Und die negativen Eigenschaften, die auch auf uns negativ wirken, dürfen wir nicht als negativ stehen lassen. Denn es ist von Gott gesandt worden. Und meistens sind diese Themen auch Sachen von 5 bis 6 stunden- oder tagelangen Diskussionen, bis man die überhaupt klargestellt hat. Zum Beispiel, was ist mit den Mehrehen, da stehen so viele Sachen, die kann man nicht jetzt einfach in ein, zwei Sätzen abhaken. Da steht eine ganz große Wissenschaft dahinter, bis man überhaupt Klarheit und Verständnis vermitteln kann über diese Themen. Es gilt zum Beispiel auch für uns Muslime das Gesetz, dass, was Gott gesagt hat, für uns bindend ist. Es spielt keine Rolle, ob es uns gefällt oder nicht gefällt, wir müssen gehorchen. Und wir können auch nicht ständig für alles, was uns gesagt worden ist, einen Grund suchen: Fasten, weil wir nicht die Armen verstehen ndash nein wir fasten, weil es Gott uns gesagt hat und wir tragen das auch gut, weil er es uns gesagt hat.«

Zuschauer 11: »Also mir ist aufgefallen, dass im Film viel über das Kopftuch geredet wurde. Ich bin eigentlich Christ, doch durch meine Freunde, die Marokkaner und Türken sind, habe ich eigentlich mehr über den Islam herausgefunden, als über meine eigene Religion. Und ich finde es eigentlich traurig, dass man einen Menschen danach beurteilt, was er auf dem Kopf trägt. Zum Beispiel, dass ein Stück Stoff die Menschen voneinander trennt, das finde ich traurig, weil man durch ein Kopftuch eigentlich den Islam schlecht hinstellt. Man sagt ja, die Frauen werden diskriminiert und die dürfen nicht raus und so, obwohl das ganz falsch ist. Ich habe eine Freundin, die wollte ihr Kopftuch abtun wegen eines Praktikums. Und ich bin stolz darauf, dass ich sie davon abgebracht habe. Weil, hätte sie das abgenommen, dann hätte sie meiner Meinung nach ihre eigene Religion eigentlich verraten.«

Zuschauer 12: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Hallo. Also, ich wollte auch sagen, dass die Filme mir sehr gut gefallen haben. Auch der eine Film über den Monat Ramadan, wobei ich den anderen iranischen Film als Schwarz-Weiß-Malerei empfunden habe, wo die iranischen Muslime zum christlichen Glauben konvertiert sind und der Islam dort mit Gewalt verbunden wurde und das Christentum mit Liebe und Barmherzigkeit. Also ich komme aus Bosnien-Herzegowina und wir haben die christliche Barmherzigkeit mit den eigenen Körpern spüren können. Von daher finde ich, sollte man keine Schwarz-Weiß-Malerei machen. Man sollte in beiden Dingen das Positive und das Gemeinsame suchen und nicht das Negative. Dankeschön.«

Zuschauer 13: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Ich möchte nur ganz kurz sagen, was du gerade erzählt hast, finde ich toll. Und das beeindruckt mich auch. Und ich möchte auch einfach sagen, dass es wichtig ist, dass wir miteinander und nicht übereinander reden, weil das der Grund ist, warum wir Probleme haben. Wir sollten nicht immer alles glauben, was wir sehen. Medien sind auch auf Quoten aus, und deswegen ist es wichtig, das wir uns bei Leuten informieren die es wissen und nicht so tun, als ob sie es wissen ndash das ist ein wichtiger Punkt.

Es geht nicht nur um den Islam. Heute Abend ging es um den Islam, und wir haben viele Vorurteile gegenüber den Islam. Und deswegen müssen wir uns mit den Muslimen unterhalten. Und das ist, glaube ich, was die meisten Muslime stört: Über die reden aber nicht mit denen reden, und im Fernsehen werden Paradebeispiele gezeigt von der unterdrückten Frau, und deswegen glauben alle, dass wir unterdrückt werden.«

Zuschauer 14: »Auch Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu meinerseits. Also ich wollte erst einmal zu dem Film sbquoSchiiten, Sunniten, Alevitenrsquo etwas sagen: Wie der Kollege Schiit am Anfang seines Berichtes sagte, als unser Prophet ndash sallallahu aleihi wa sallam (Friede und Segen auf ihm) ndashgestorben ist, sagte er das bei den Kalifen (seinen Nachfolgern) mit den hundert Hieben wie im Iran. Ob das richtig so war, weiß ich nicht, aber da wird im Film (sbquoSpiel mit dem Feuerrsquo) ein Vers gezeigt. Und die meisten Muslime wissen, glaube ich, über den Koran, über den einzigen Koran und über die Worte unseres Propheten ndash Friede und Segen auf ihm ndash werden Milliarden, vielleicht sogar mehr als Milliarden Bücher geschrieben. Und wenn man einen Vers auf der Leinwand zeigt und mit Hieben halt ganz ausholt und zuschlägt ndash das stimmt so gar nicht. Unser Prophet ndash Friede und Segen auf ihm ndash der sagt, dass man so (zeigt in der Luft sbquogeringesrsquo Schlagen) schlagen soll und nicht richtig ausholen soll, weil man dem Menschen natürlich keine Schäden zufügen sollte, weil der Körper, der einzige Körper, ist auch geboren von Allah, und der soll auch so wieder zurückkommen, wie Allah ihn gegeben hat. Und deswegen, würde ich sagen, kann man also nicht das tun: einen Vers auf der Leinwand zeigen und irgendwelche Urteile darüber abgeben. Ich rede da etwas viel. Und außerdem: Während die europäischen Philosophen noch daran gezweifelt haben, ob die Frauen wirklich auch sehr gute Menschen sind, oder ob die auch eine Religion haben können oder nicht, da hat unser Prophet ndash Friede und Segen auf ihm ndash gesagt, dass das Paradies unter den Füßen unserer Mütter liegt.«



Zuschauer 15: »Also ich möchte jetzt hier keinen kritisieren. Ich wollte nur sagen, dass es eben auch so Länder gibt, in denen Menschen gezwungen werden, das Kopftuch zu tragen. Die werden dort gezwungen. Aber in paar Ländern ist es auch nicht so.«

Zuschauer 16: »Ich wollte mich bei der IMS-Gruppe ganz herzlich bedanken und bei den anderen auch. Und wie ihr seht, trage ich auch ein Kopftuch. Aber ich würde niemals für eine Ausbildungsstelle mein Kopftuch absetzen, weil, Alhamdulillah (Gott sei dank), gibt mir Allah die Kraft und Geduld ndashinsha-Allah (wenn Gott will). Deswegen wollte ich sagen, auch wenn es momentan schwer ist, Allah ist mit uns und er wird uns helfen. Dankeschön.«

Zuschauer 17: »Also erst einmal Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Ich will nur zwei Sachen sagen: Das Erste ist, ich wundere mich immer wie sehr die Deutschen über die Gleichberechtigung von Frauen sprechen. Und ich will nur sagen wenn sie so sehr bemüht sind, dass die Frauen gleichberechtigt sind, dann sollen sie erst einmal gucken, warum Frauen im gleichen Beruf mit der gleichen Qualifikation in Deutschland weniger verdienen als Männer.

Und das Zweite was ich sagen wollte. Unsere Schwestern, also Glaubensschwestern, ich muss sagen, ihr seid wirklich starke Menschen.«

Zuschauer 18: »Guten Abend, ich komme seit vielen Jahren in meinem Verein mit ganz vielen Nationalitäten zusammen. Ich habe auch gelernt, dass ein Kopftuch oder auch ein Minirock niemals einen Mensch verändert. Ich habe mit Mädchen gearbeitet mit Kopftuch und nebenan saß eine, die einen etwas kürzeren Rock hatte. Beide waren sehr gute Menschen, die an Gott glauben. Ich denke, dass ein gläubiger Mensch ein guter Mensch ist. Ich bin orthodox, mein Sohn ist evangelisch und meine Freundin ist Muslima. Wir sind alle gläubig. Wir glauben an Gott, und das sollte uns alle vereinen als Gläubige und nicht als Muslime, Islame, Buddhisten, was es alles gibt. Gläubige Menschen sind gute Menschen, und das sollte uns vereinen.«

Zuschauer 19: »Ja, ganz kurz nur: Da hatte vorhin jemand gesagt, dass es halt Länder gibt, wo die Frauen auch gezwungen werden, ein Kopftuch zu tragen. Ich möchte dazu sagen, das gibt es. Das darf man nicht wegwischen, und dem müssen sich die Muslime auch stellen, und sie müssen sich dagegen wehren. Weil, es gibt keinen Zwang durch den Glauben. Es darf niemand zu irgendetwas gezwungen werden, egal was es ist. Das Kopftuch ist nur ein Beispiel. Aber was wir muslimische Frauen sich wünschen, ist einfach, dass man unterscheidet und uns ernst nimmt, wenn wir sagen: Ich trage das freiwillig, dann tu ich das auch freiwillig. Das ist einfach, was wir uns wünschen von den Außenstehenden.«

Zuschauer 20: »Schönen Guten Abend. Erst einmal vielen Dank an meine Frau, die mich heute Abend mitgenommen hat, sonst hätte ich das alles hier verpasst mit dem tollen Film. Ich fand, dass der Film zwei Kernbegriffe in sich beinhaltete: Das eine war die Bildung und das andere war die Toleranz. Und beide Sachen haben sich irgendwie bedingt, weil Leute, die Vorurteile haben, haben meistens einer Sache gegenüber Vorurteile, die sie eigentlich gar nicht so richtig kennen oder nicht soviel von wissen. Und das was der Bauer nicht kennt, das kauft er halt nicht, gell? Und ich denke, in dem Film konnte man so einen Satz lesen, als so ein weiser alter Mann sagte: Gott liebt alle seine Geschöpfe. Ob er jetzt Moslem ist, ob er Christ ist, ob er Jude ist, er liebt alle seine Geschöpfe. Und wenn wir Gott nah sein wollen, dann müssen wir auch seine Geschöpfe lieben und nicht nur uns selber. Ja, und deswegen sage ich einfach mal: Ein bisschen mehr Toleranz im Zusammenleben. Wir leben alle auf dieser Welt. Manche auch noch ein bisschen länger, aber dann auch bitte in Frieden. Toleranz ist die Überschrift heute Abend. Dankeschön.«

Zuschauer 21: »Keiner von uns weiß das wahrscheinlich, aber heute ist tatsächlich der internationale Tag der Toleranz, 1995 von den Vereinten Nationen festgesetzt für das heutige Datum.

Und was ich sagen wollte, wir hatten ja den Film über die Uni (sbquouniSLAMrsquo). Wir hatten das Ziel, dass in dem ganzen Film kein einziges Mal das Wort sbquoKopftuchrsquo vorkommt. Weil wir die Schnauze voll hatten! Es wird immer darüber gesprochen. Wir tragen es, basta, fertig! Alle anderen tragen das, was sie tragen wollen, wir tragen unser Kopftuch. Und es muss nicht immer Thema sein. Aber wenn über den Islam gesprochen wird, dann direkt über das Kopftuch. Es gibt so viel Schönes im Islam: Die fünf Glaubenssäulen, man kann von so viel sprechen. Warum sprechen alle nur über das Kopftuch? Und wir haben Gott sei Dank dieses Ziel erreicht, kein einziges Mal das Wort sbquoKopftuchrsquo im Film zu haben, und da waren wir schon echt wirklich froh.«

Zuschauer 22: »Auch von mir erst einmal einen schönen Gruß an alle. Auch ich bin begeistert über den heutigen Abend. Ich bin auch nur zufällig hier hin gekommen, habe aber eigentlich schon länger mit Andreas von Hören und dem Medienprojekt zu tun. Und das war noch nie auf diesem Niveau, dieser Begeisterung, wie das heute ist. Zuerst mal Applaus an alle die hier sind.

Was mir wichtig ist und was ich euch gerne mitteilen möchte ist, dass für mich es wichtig ist, dass so viele junge Menschen sich über Gott und über ihren Glauben auseinandersetzen. Das gibt es auch nicht überall und jederzeit. Das hat einen Wert. Dass muss man festhalten. Das muss noch einmal gesagt werden. Das andere ist, dass um Auseinandersetzungen, Diskrepanzen unter den Menschen zu minimieren, ist es eigentlich wichtig, zu reduzieren und zwar auf das Wesentliche, worauf es letzten Endes ankommt . Wichtig ist, dass wir alles Menschen sind, alles Gottes Geschöpfe, wie du es vorhin gesagt hast. Wichtig ist zu wissen, dass zu 75%, 80 % ndash ich bin Christ ndash die Dinge uns verbinden und dass es davon viel mehr gibt. Mein Vater sagt: drei Viertel verbinden, ein Viertel ist fremd. Aber warum wird das eine Viertel groß geschrieben, anstatt die drei Viertel, die uns verbinden? Mohammed ist damals, als er verfolgt wurde, in meine Heimat gegangen nach Abessinien. Er wurde dort zuerst skeptisch empfangen. Er hat die Möglichkeit gekriegt, sich zu äußern und sein Anliegen darzulegen. Er hat dort gesprochen. Und es gab Missverständnisse, die wurden aber in dem Augenblick ausgeräumt, als er gesagt hat, dass er an Einen Gott glaubt. Sie wurden doch akzeptiert und dort aufgenommen, weil denen doch klar wurde, dass die genauso wie sie selber nur an Einen Gott glauben, und das ist eigentlich das Wesentliche: Es gibt nur Einen Gott. Wichtig ist, dass wir an Einen Gott glauben, also der Weg zu Gott ist das Ziel. Er will, dass wir den Weg zusammen zu Ihm beschreiten.«

Zuschauer 23: »Ganz kurze Korrektur, ich fand deinen Beitrag sehr schön. Ich wollte eigentlich was anderes sagen, aber ich muss dich kurz korrigieren: Nicht Mohammed ist nach Abessinien gegangen, sondern er hat eine Gruppe von Gläubigen dahingeschickt. Und ich finde das eine sehr schöne Geschichte, weil sie auch für uns heute sehr lehrreich ist, wenn wir hier in Deutschland leben. Die Muslime sind dorthin gegangen, weil der Prophet Mohammed ihnen gesagt hat, dort lebt ein christlicher König, der ist gerecht. Und sie sind dort hingegangen und haben sich erklärt und haben aus dem Koran was vorgetragen, und zwar aus der Sure über die Geschichte von Jesu Geburt. Und der König hatte Tränen in den Augen und hat mit einem Stock einen Strich auf dem Boden gezogen und gesagt: Das ist das, was uns trennt, also nur dieser kleine Strich. Und von da an durfte diese Gruppe Muslime dort leben.

Und jetzt an die Muslime: Die Muslime haben da nicht gelebt und sich irgendwie isoliert. Im Gegenteil, sie haben der Gesellschaft genützt. Sie haben den Menschen Handwerke beigebracht, die sie dort in ihrer Heimat noch nicht kannten. Sie haben sich positiv in die Gesellschaft eingebracht. Und das ist unsere Aufgabe und ich denke, dass ist auch in vielen Filmen deutlich geworden, dass diese Generation, unsere Generation das verstanden hat, und dass wir das vorhaben. Und es ist sehr schade, dass wir in manchen Dingen darin behindert werden. Aber trotzdem ist der Wille stark genug, das sieht man nämlich auch heute und in den Filmen.

Was ich eigentlich sagen wollte ist, das klang auch schon bei manchen Beiträgen an: Zum Glauben, also das, was uns verbindet. Ich persönlich, aus vielen Erfahrungen heraus, bin der Freund von allen gläubigen Menschen, weil ich denke, dass in dem Moment, wo man glaubt und diese Demut hat, dass etwas über einem steht und man deswegen auch sich nicht über die Dinge stellt und dann anders mit seinen Mitmenschen und mit den anderen Geschöpfen umgeht ndash das ist etwas, das müssen die Menschen erst einmal verstehen. Das geht nicht immer so einfach, weil die Welt auch sehr schnell ist. Und ich bin aber sehr froh, sehr, sehr froh... ndash Also, ich würde niemals das Christentum schlecht machen wollen, obwohl man da bestimmt auch den ein oder anderen Bibelvers isolieren könnte und herausnehmen und sagen könnte: wie schlimm ist das Christentum. Ich bin sehr froh, dass keine Muslime in diesem Film es nötig hatten, das Christentum schlecht zu machen und die Liebe schlecht zu machen.«

Zuschauer 24: »Ja schön, wunderbar. Ich bin in Wuppertal Pastor für christlich-islamischen Dialog und habe das gerne gehört. Ich habe an eurem Projekt, an eurem islamischen Glauben eine Menge Freude, sowie ich auch an meinem Glauben Freude habe.

Ich habe jetzt aber ein Problem. Es geht um das Schlagen von Frauen. Und hier war eben eine Stellungnahme, die sagte: Nein, das ist alles im Film viel zu krass dargestellt worden. Wenn ein Mann die Frau schlägt, dann, so wie ich es verstanden habe, heißt es, man soll sie nicht so schlagen, dass sie bleibende Schäden hat. Das reicht mir nicht und ich habe gestaunt, wie viele von euch Frauen dem applaudiert hatten nachher. Und ich habe mich gewundert, dass hier niemand widerspricht. In diesem Lande macht sich ein Mann der seine Frau schlägt ndash auch wenn es seine Ehefrau ist ndash strafbar. Und es gibt zum Beispiel die islamische Theologin Rabea Müller, die ein Buch geschrieben hat, zu genau dem Koranvers und ihn heute modern auslegt und sagt, er gilt heute so nicht mehr. Wir können hier nicht über Menschlichkeit und Toleranz reden und uns anhören, dass Männer Frauen schlagen. Ich hätte gerne jemanden, der dem widerspricht!«

Zuschauer 25: »Ja, das werde ich sofort machen. Also der Bruder hat sich gerade nicht auf das Schlagen von Frauen bezogen, sondern auf die Strafe mit den Hieben, wobei ich denke, dass man in der Geschichte des Propheten, Friede und Segen auf ihm, deutlich sehen kann, dass diese Strafe so gut wie nie vollzogen wurde. Und man muss dazu sagen, dass es zu dieser Zeit damals erst einmal ursprünglich und auch bei den dort lebenden Christen und Juden noch viel härtere Strafen gab, und dass das sozusagen eine Abmilderung war. Es gibt unter den islamischen Theologen durchaus eine rege Diskussion darüber, ob das im Sinne des Islams ist, jetzt weiterhin diese Strafen zu praktizieren. Und vor allem dem unter dem Gesichtspunkt, dass es in manchen Ländern, die sich als islamisch ausgeben, missbraucht und eingesetzt wird nicht unter den Bedingungen wie es islamisch gesehen richtig wäre: nämlich, man müsste Augenzeugen haben, blabla, also: unter welchen Bedingungen es überhaupt zu einer Verurteilung kommen kann. Und dann noch mal die Frage, ob es überhaupt zu einer Vollstreckung kommt, das ist eine Sache. Die andere Sache mit dem Schlagen der Frauen. Dieser Vers, der berühmte Vers, ist ein Problem der Übersetzung. Also ich weiß jetzt nicht, ob das von Rabea Müller ist, was ich einmal gelesen habe. Aber ich meine, dass ich auch von arabischen Theologen auch eine Abhandlung über genau diesen Vers gelesen habe, die da sagt, dass das Wort Schlagen ndash im Arabischen sbquodarabarsquo... ndash die haben also untersucht, dass dieses Wort sbquoSchlagenrsquo in drei verschiedenen Bedeutungen, in drei verschiedenen Zusammenhängen vorkommt. Einmal: sbquoAllah prägt ein Gleichesrsquo, also dieses sbquoPrägenrsquo auf Arabisch hat das gleiche Wort sbquodaraba mathalannrsquo »ein Gleichnis prägen«. Und sbquodaraba sabilannrsquo sbquo einen Weg einschlagenrsquo. Das Wort sbquodarabarsquo in dem besagten Koranvers steht am Ende einer Kette von Handlungsmöglichkeiten des Ehemannes gegenüber der Ehefrau im Falle massiver Eheprobleme. Dieser Vers regelt den Umgang in Konfliktsituationen. Zuerst wird das Ermahnen vorgeschlagen, dann das Bettentrennen und danach kommt das Wort sbquodarabarsquo, was in dem Zusammenhang als »einen Ausweg suchen« interpretiert wird. Dieser Vers wurde übrigens offenbart, als eine Frau ihren Mann schlug.

Übrigens gibtrsquos entsprechende Regeln, wie Frauen gegenüber ihren Männern Konsequenzen ziehen können, wenn diese sich mal vom Glauben entfernen. Da gibt es Entsprechungen, die Frauen anwenden können. Dieses sbquodarabarsquo in diesem Vers wird auf Grund der Tatsache, dass dieses Wort im Koran in anderen Zusammenhängen vorkommt, und niemals in Zusammenhang mit sbquoSchlagenrsquo im Sinne von Gewaltanwendung, so interpretiert wird, dass es heißt, einen Ausweg einzuschlagen, einen Vermittler einschalten und so weiter. Das ist etwas, was im Falle der Frau auch ganz deutlich aufgeschrieben wird, dass die Frau in dem Fall Vertreter aus seiner Familie und aus ihrer Familie für ein Beratungsgespräch holen soll. Und das ist etwas, das auch bekannt ist, dass es Beratungen hier ja auch für Leute heute gibt. Das ist etwas, was der Islam im Grunde vor 1.700 Jahren angeführt hat, um Eheprobleme zu lösen, weil die Ehe als der kleinste Bestandteil einer Gesellschaft gesehen wird, von dem das Wohl der Gesellschaft abhängt. Wenn die Ehen gut funktionieren, dann funktioniert die Gesellschaft gut, und wenn Ehen schlecht funktionieren, dann funktioniert die Gesellschaft schlecht ndash das kann jeder nachvollziehen. Und das ist die Antwort auf ihre Frage.«

Zuschauer 26: »Also erst einmal wollte ich zu diesem Herrn sagen: Sie haben Recht. Ich bin auch dagegen, dass die Männer über die Frauen bestimmen. Weil die Frau, die muss ja selber bestimmen, was sie machen will. Nicht, dass der Mann sagt, ich hole das Geld und sie muss kochen und so alles. Ich bin richtig dagegen, dass der Mann über alles bestimmt. Tut mir leid, aber das ist so. Danke.«



Zuschauer 27: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Noch mal zum Thema Schlagen. Das ist richtig, was die Schwester gesagt hat: sbquoSchlagenrsquo, sbquowadribuhunnarsquo, ist falsch übersetzt. sbquoWadribuhunnarsquo heißt nichts anderes als sbquoZeig ihnen die Richtungrsquo, sbquoGebt ihnen die Richtung vorrsquo. Und der Prophet Mohammed ndash Friede und Segen auf ihm ndash hat auch gezeigt, wie man im äußersten Notfall seiner Frau, seiner Ehefrau, die Richtung vorzeigt [piekst den Nachbarn leicht mit dem Zeigefinger]. Aber wir wissen alle, dass immer dieses Klischee herrscht, im Islam ist die Frau unterdrückt, die Frau muss immer keusch sein, sie muss Kopftuch tragen, sie muss sich dem Mann unterwerfen etc.

Jetzt stelle ich mal die Frage zurück, jetzt will ich den Ball mal wieder zu Ihnen zurück werfen. Und zwar sagen sie mir doch bitte, was steht in der Bibel diesbezüglich. Heißt es nicht dort: sbquoSag den Frauen, sie sollen keusch gegenüber den Männern sein und ihnen untertan sein.rsquo Dann frage ich natürlich, warum wird es immer auf Seiten des Islam kritisiert, aber auf der anderen Seite, da weiß keiner genau, was in der Bibel steht. Da frage ich mich natürlich, warum ist das so.

Das ist ganz eindeutig, warum das so ist ndash die Muslime, die halten sich an ihre Religion, weil sie fest davon überzeugt sind, dass der Islam von Gott gekommen ist, und dass der Islam die Fortsetzung der Religionen ist. Das heißt, das Judentum, das ist ursprünglich mal Islam gewesen, ohne jetzt hier jemandem nahe treten zu wollen. Das Christentum, das war ursprünglich auch Islam. Das heißt: Moses ist mit dem Islam gekommen, Jesus ist mit dem Islam gekommen und der Prophet Mohammed ist auch mit dem Islam gekommen als Fortsetzung. Und warum wissen das die Christen nicht, oder die Deutschen, oder wie auch immer, die westliche Welt nicht? Warum ist das so? Weil sie sich nicht mit ihrer Religion befassen, weil sie sich abgewendet haben von der Religion. Und das ist genau das Problem, warum jeder heutzutage immer nur den Islam anschaut. Da ist eine Gruppe, die sich an ihre Religion hält, und da muss man fragen, warum ist das so? Und wir sind ganz fester Überzeugung, dass der Islam die wahre Religion ist, mit der alle Propheten gekommen sind, von Adam hin über Noah über Abraham, Moses hin zu Mohammed.«

Zuschauer 28: »Also in Bezug auf diesen Vers mit dem Schlagen. Erst einmal ndash wenn wir den Koran lesen, hat uns der Prophet Mohammed vorgeschrieben, dass wir den Koran so niemals verstehen können. Also ich kann den Koran nicht so lesen und rausgehen und das machen. Ich muss verstehen wie der Prophet ndash Friede und Segen auf ihm ndash den verstanden hat. Mohammed sagt über die Behandlung der Frau: sbquoUnd der Beste unter euch ist der, der die Frau am besten behandeltrsquo. Das heißt, wenn ihr schlagen wollt, dann nehmt ein Miswak (Hölzchen mit dem sich die Menschen damals die Zähne geputzt haben) ndash das ist so wie ein Wattestäbchen ndash und warnt sie damit. Und das ist das einzige: und wenn wir Hadithe, also die Erzählungen von Mohammed lesen ndash jeder weiß, dass der Prophet niemals jemanden geschlagen hat. Und wenn jemand jemanden geschlagen hat, wurde er direkt gewarnt, und ich erzähle nur eine ganz kleine Geschichte: Ein Mann der im Wohnzimmer stand, ein Gefährte des Propheten Mohammed ndash Friede und Segen auf ihm ndash und seine Frau anschrie, sagte: Wäre nicht die Warnung des Propheten Mohammed, hätte ich dich jetzt zusammengeschlagen. Kam ein Mann vorbei, geht zum Mann rein und sagte ihm, was hat der Prophet Mohammed gemacht? Dann sagte er, er hat gesagt: Am Ende der Tage, also am Tag der Auferstehung werden zwei Ziegen herangezogen. Eine mit Hörnern und eine ohne Hörner. Die mit den Hörnern hat die eine ohne Hörner angestoßen. Allah löst seine Gerechtigkeit und gibt einem der keine Hörner hat ihr Recht zurück. Und so wollte er seiner Frau das nicht antun, weil der Prophet Mohammed, das Vorbild für alle Muslime, verboten hat, dass man irgendeine Frau schlagen tut. Und ich sage es Ihnen und ich sage es jedem hier: Wer einer Frau ein Haar krümmt, ist kein richtiger Moslem.«

Zuschauer 29: »Auf diese Frage möchte ich gerne Antworten. Dankeschön, dass war ein klares Wort. Ja, ich wünsche mir, dass Christen, Muslime und Juden, alle Religionen friedlich nebeneinander leben. Dass für die Muslime der Islam die wahre Religion ist, respektiere und toleriere ich. Ich kann mir nicht vorstellen, das ich als Christ akzeptiere, dass ich früher mal oder eigentlich Muslim bin. Das ist eine islamische Aussage.

Ich will mal kurz was sagen zu diesem Vers. Die Bibel hat unglaublich viel Verse. Die Frau sei dem Manne untertan, steht da. Die Frau schweige in der Gemeinde, steht da. Wenn ihr den Epheser-Brief aufschlagt, dann steht da, dass die Frau ein Kopftuch tragen muss. Und zwar mit einer zehnmal härteren Begründung, als das im Koran drin steht, in Klammern: wenn es im Koran drin steht.

Und ich will euch jetzt nur sagen, wie Christen damit umgehen. Die Christen sagen ndash und dafür haben sie mich also 5 Jahre auf die Uni geschickt: Studiere die Quellen, studiere sie im Original. So wie ihr sie in Arabisch lest, so lesen wir sie in Griechisch und Hebräisch. Frage nach, was die Worte bedeuten, was sie damals bedeutet haben, und in welcher Situation die damals geschrieben worden sind. Und dann merken wir, dass der Apostel Paulus in seiner Gemeinde Korinth Angst hatte, weil er nicht mehr zu Wort kam und dann in Verzweiflung sagte, dass die Frauen bitteschön ruhig sein sollten. Und dann sagen wir: Auf die heutige Zeit akzeptieren wir diesen Vers nicht mehr. Und so gehen wir mit diesem Vers um. Und so hört ihr von diesem Vers heute nichts, weil ich hoffe, kein evangelischer Pastor, der überzeugt ist, nun sagt, das sei evangelische, katholische oder christliche Lehre. Wir legen also die Bibel aus.

Und jetzt mal einen kleinen Sprung. Ich habe jetzt gerade den Vers mit dem Schlagen in drei Ausführungen gehört. Und wer aufgepasst hat, hat gemerkt, dass die widersprüchlich waren. Und das darf sein, das finde ich gut. Wir müssen diskutieren, und ich kann euch nur Mut machen, über den Koran auch zu diskutieren. Man muss ausgebildet werden. Und so wie wir vier Evangelien haben, habt ihr sechs Rechtslehren. Es muss darüber diskutiert werden, und diese Freiheit wünsche ich mir im Islam und ich wünsche sie auch für uns Christen.«

Zuschauer 30: »Diese Diskussionen sind auf struktureller Ebene. Wir Muslime dürfen uns nämlich nicht in die Enge drängen lassen und dann immer antworten und uns rechtfertigen, dass ist das Problem. Der Koran und der Islam hat eine überzeitliche und überordentliche Bedeutung. Man darf nicht sagen, es war nicht nur zu Zeiten des Propheten ndash Friede und Segen auf ihm ndash damals so. Nein, es ist heute auch noch so!

In dem ersten Film war es so, ich finde es schade, dass die jungen Geschwister jetzt leider hier nicht mehr sind, dass sie gesagt haben, ich kann mein Kopftuch jetzt nicht tragen. Wir haben immer die Möglichkeit und immer die Entscheidung, dass wir links oder rechts gehen können.

Wir haben in dieser Diskussion sehr viel über Freiheit und Respekt gehört, und ob man toleriert wird oder nicht. Und wenn ich in Deutschland nicht die Freiheit habe, mein Kopftuch zu tragen, sei es aus gesellschaftlichen Gründen nicht oder aus religiösen Gründen, dann ist das auch ein Zwang. Oder nicht? Dann bin ich auch nicht wirklich frei. Dann ist die Gesellschaft irgendwo meine Religion.

Das Nächste ist: In Deutschland werden auch so viele Frauen geschlagen und das Gesetz sagt: Ihr dürft eure Frauen nicht schlagen. Aber da sagt niemand etwas. Es ist bemerkenswert, manchmal lustig, aber eigentlich traurig, wenn man sieht, dass Kinder einbetoniert werden; man sieht, wie oft in Deutschland Kinder und Menschen einfach so als überflüssig begutachtet werden, weil die Gesellschaft allen das vorgibt.

In den Bussen ist es zum Beispiel im Iran so, dass die Frauen und Männer getrennt sitzen. Also die Frauen sitzen hinten und die Männer sitzen vorne. Aber es ist nicht so, weil die Frauen von den Männern diskriminiert werden, nein, die Frauen möchten hinten sitzen. Sie möchten nicht mit den Männern zusammen sitzen. Es ist so, in den Männerabteilen dürfen Frauen auch sitzen Aber die Frauen setzen sich selber nach hinten. An den Stränden: eine Frau, die muslimisch ist, die möchte alleine mit Frauen vielleicht an den Strand gehen, das kann sie hier nicht. Sie hat hier nicht die Freiheit dazu. Aber im Iran hat sie die Freiheit dazu und kann sich selber entscheiden: Ich gehe dahin. In Frankreich entscheidet man sich dafür, die Kopftücher aus den Schulen zu verbannen. Und im Iran hat man sich dafür entschieden, weil die Mehrheit muslimisch ist, das Kopftuch einzuführen. Es ist so, die Gesetze des Islams sind so. Es könnte jemand theoretisch im Iran Alkohol trinken. Solange es nicht an die Öffentlichkeit kommt, solange er nicht den öffentlichen Frieden stört, ist das egal. Es wird ihm kein Riegel vorgeschoben, aber wenn er andere mit hineinzieht, dann schiebt man da einen Riegel vor.

Das nächste: Es wird immer gefragt, warum habt ihr vielleicht keine Diskotheken, warum trinkt ihr keinen Alkohol, ihr habt keine Freiheiten Es wird niemals gefragt, warum habt ihr zuwenig Universitäten oder warum ist eure Infrastruktur nicht in Ordnung, so was wird nicht gefragt. Es sind immer diese strukturellen Geschichten.

Das nächste ist: Im Iran sagt man, die Frau wird unterdrückt. Ich habe in den ganzen Geschäften in den Banken immer nur Frauen gesehen, die dort gearbeitet haben und die hohen Positionen haben. In den Unis, die haben inzwischen Einlassstopp für die Frauen. Es sind über 60%, 70% Frauen, die studieren. Und in Deutschland versucht man in Fächern wie Ingenieurswissenschaften, Maschinenbau, E-Technik... mit sehr, sehr viel Geld Frauen dazu zu bringen, dass sie studieren. Aber im Iran ist es so, die Frauen sind so selbstbewusst, dass sie selber solche Männerdomänen in Angriff nehmen und solche Berufe wahrnehmen. Aber das sieht man hier nicht, das nimmt man nicht wahr. Man geht immer nur auf die sturen Geschichten ein, die Frau wird unterdrückt, aber das Andere sieht man gar nicht.«

Zuschauer 31: »Ich würde gerne darauf antworten, es sind jetzt so viele verschiedene Gedanken gekommen. Aber Eines ist mir ganz wichtig. Mir begegnet das immer wieder, dass gesagt wird, der Islam sagt so und so. Ich möchte einfach mal sagen, wenn wir den Koran haben ndash das ist Gottes Wort und das nimmt der Moslem ernst. Das ist nichts Menschgemachtes, sondern das kommt wirklich von unserem Schöpfer. Moslem heißt übrigens sbquoGott ergeben seinrsquo. Deswegen meinte der Bruder eben auch, dass alle Religionen muslimisch sind. Also, wenn ich ein ernsthafter Muslim bin, dann bin ich natürlich bestrebt, das auch zu verwirklichen. Mich zu bemühen, dass ich das schaffe, was Gott von mir will. Wenn ich das aber nicht schaffe, dann ist das mein Fehler. Dann ist es meine Schwäche meine Trägheit was auch immer. Es ist meine Unfähigkeit, das umzusetzen. Und dann kann ndash und da bitte ich eigentlich alle darum ndash niemand hergehen und sagen, der Islam ist falsch, der Islam macht so, der Islam macht so. Nein, das sind die Menschen, die das nicht schaffen, die Gebote oder die Empfehlungen Gottes umzusetzen.«

Zuschauer 32: »Also erst einmal möchte ich mich beim Medienprojekt Wuppertal herzlich bedanken, weil die heutige Veranstaltung zeigt, die deutsche Gesellschaft sollte wirklich in die Integration investieren, erstens.

Zweitens bin ich gegen Schlagen, egal wo es steht, ob im Koran oder der Bibel, als eine Frau.

Drittens wollte ich sagen, dass ein falsches Bild hier vom Iran dargestellt wird. Ich bin seit 1988 hier als politischer Flüchtling, weil ich im Iran vier Jahre im Gefängnis saß, weil ich die Religion nicht akzeptieren wollte. Und 1988 war im Iran ein Massaker. Du bist sehr jung und kannst dich nicht mehr daran erinnern. Wir müssen unser historisches Gedächtnis nicht vergessen. Und damals waren 3.000 politische Gefangene hingerichtet worden, obwohl sie zu Gefängnisstrafen verurteilt worden waren. Und die Frauen, die nicht an Islam geglaubt heben, sind geschlagen worden. Entweder den Islam akzeptieren oder Sterben! Also, ich bin nicht gegen Religion, das muss ich klarstellen. Jeder kann seine Religion ausleben, egal ob Christ oder Moslem oder Jude, wichtig ist die Trennung zwischen Religion und dem Staat. Also, was wir im Iran erleben, das ist wirklich eine sehr wichtige Erfahrung für euch als junge Muslime. Also diese Trennung zwischen Religion und Staat ist, was sich jetzt viele Intellektuelle im Iran wünschen. Das ist eine Tatsache, dass, wenn diese Trennung in den letzten 28 Jahren im Iran gewesen wäre, dann wäre nicht so viel Schlimmes passiert.

Ich bin dafür, das Religion eine private Sache ist. Wir müssen uns respektieren, wir müssen uns tolerieren. Das ist sehr wichtig, was ein Kollege gesagt hat. Wir sollen tolerieren, wenn jemand die Bibel, den Koran oder was auch immer kritisiert.«

Zuschauer 33: »Vielen Dank für deinen Beitrag. Ich möchte dir nur sagen, dass wir alle einer Meinung sind und das auch bedauern, dass im Iran irgendwelche Menschen leiden auf Grund eines Regimes, das ein ungerechtes Regime war. Wir sind absolut diesbezüglich deiner Meinung. Ich glaube, wir haben auch alle hier klargestellt, alle die wir da sind, dass wir gegen Gewalt sind, dass wir gegen Schlagen sind, dass wir für Religionsfreiheit sind, dass wir für Meinungsfreiheit sind. Ich glaube da sind wir uns alle einig.

Ich möchte noch eine Sache sagen. Ich fand die Filme sehr schön, es war eine bunte Mischung und sicherlich, dieser eine Film mit den Versen, die auf Deutsch rausgeschnitten wurden mit einfach einem Schlagwort sbquoSchlagenrsquo und so weiter, da ist auch gut rausgekommen, dass das sehr provokativ war und sicherlich nicht dem Islam entspricht. Aber ich denke, wir Muslime wir müssen das auch akzeptieren und respektieren, dass manche Menschen eben diese Wahrnehmung haben vom Islam, und auch manche Muslime eben das Gefühl haben, unterdrückt zu sein. Das ist nun mal so. Deswegen bin ich auch sehr froh, dass es so Foren gibt wie heute, wo wir Dinge klarstellen können, wo wir miteinander sprechen können. Das ist das A und O gerade auch in dieser Gesellschaft. Und gerade wo die Medien eben sehr viele Missverständnisse in den Raum stellen, und wo uns die Bild-Zeitung ... ndash eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, dieses Wort sbquoSchlagenrsquo irgendwie anzusprechen, nun ist es nun mal dazu gekommen ndash dass wir dieses Thema auf dem Tisch haben, und jetzt muss es irgendwie aus mir herauskommen und ich muss doch irgendwie was dazu sagen. Gott sei Dank haben viele Geschwister schon zum Thema sbquoSchlagenrsquo der Frau geantwortet, und ich glaube, dass ist jetzt allen klar, dass es das im Islam nicht gibt.

Jetzt möchte ich noch eine Sache zur Züchtigung bei Eheleuten sagen, einfach um die Milde und die Liebe und die Barmherzigkeit Mohammed klarzustellen. Eine kurze Geschichte: Es ist eine Frau zum Propheten gegangen und hat gesagt Oh Prophet, ich habe Ehebruch begangen, und ich bin jetzt schwanger. Der Prophet hat sich abgewendet, wollte das nicht hören und hat die Frau weggeschickt und hat gesagt:
»Trage dein Kind aus.« Diese Frau hat in einem freien Land gelebt. Sie durfte zuhause bleiben. Sie war nicht im Gefängnis oder irgendwas. Sie hätte woanders hingehen können, wo sie unerkannt geblieben wäre. Aber diese Frau hat diese Schuld in sich mitgetragen und ist wieder zum Propheten gegangen, nachdem sie dieses Kind ausgetragen hatte. Und noch einmal hat sich der Prophet von ihr abgewandt und hat gesagt: »Stille dein Kind«. Und im Islam bedeutet Stillen: zwei Jahre und nicht sechs Monate wohlbemerkt. Die Frau ist wieder gegangen und hat das Kind gestillt. Und wieder hätte sie viele Monate, viele Jahre Zeit gehabt, um zu fliehen oder ein neues Leben zu beginnen. Und die Frau ist trotzdem zum Propheten gegangen, und hat gesagt: »Ich möchte meine Strafe jetzt über mich ergehen lassen.« Und in dem Moment wusste der Prophet, dass ihm nichts anderes mehr einfiel. So ist das mit der Strafe. Das ist eigentlich nur eine Abschreckung. Und im wirklich islamischen Staat sind diese Strafen eigentlich nie zur Geltung gekommen. Diese Strafen sind nur zur Abschreckung. Und deswegen gelten diese Strafen auch nicht hier. Also Ehrenmorde und so ein Schnick-Schnack - Das gilt hier nicht.



Zuschauer 34: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Ja, ich wollte mich auch ganz herzlich bedanken für den Film. es war sehr interessant, auch die iranische Seite hier in Deutschland, von Iranern die zum Christentum übergetreten sind, das fand ich auch ganz o.k., dass das gezeigt wurde. [...] Man sollte auf jeden Fall alle Seiten zeigen. [...] Die Sache ist jetzt die [...] Wir sind hier viele wie Muslime aussehende Muslime. Viele von uns sind auch zusammen aufgewachsen hier geboren und so [...] ich muss sagen, ich kenne viele nicht und doch kenne ich sie [...] Uns hat diese Erfahrung, die wir alle durchgemacht haben in den langen Jahren in Deutschland zusammengeschweißt [...] Ich sehe viele auch als meine Familie an, obwohl ich sie nicht kenne ndash einfach durch die gemeinsame Erfahrung. Was ich jetzt vielleicht noch mehr begrüßen würde, ist, dass zusätzlich zu diesen Diskussionen die wir Muslime untereinander tagtäglich führen, dass an diesem Tag hier vielleicht ein guter Zeitpunkt ist [...], vielleicht mehr über den Islam zu erfahren und mehr Fragen zu stellen bzw. Antworten zu geben. Dass auch viele Nicht-Muslime, die hier sitzen im Raum, vielleicht auch mal Fragen stellen und Kommentare geben, sei es aus dem Bauch heraus auch vielleicht. [...] Menschen die keine Ahnung von der Religion haben, doch auch viel, viel lesen in der sbquoBildrsquo oder sbquoExpressrsquo oder so [...], dass diese Fragen vielleicht jetzt gestellt werden, diese zum Teil, oder bzw. auch denke ich mal gut beantwortet werden können. [...] Wir haben da genug Wissen heute hier heute Abend. Vielen Dank.«

Zuschauer 35: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Also, ich wollte noch einmal zurück zur Unterdrückung der Frau kommen. Und zwar ich wollte auf jeden Fall an euch Kopftuchtragende Frauen sagen, dass ihr stolz darauf sein könnt. Ihr schützt euch mit dem Kopftuch vor sehr viel Sachen, z.B. vor sexuellem Missbrauch von anderen Männern...«

Zuschauer 36: »Was ist daran schlimm, wenn man nur Hausfrau ist. Wenn man Kinder in die Welt setzt und viel Zeit mit diesen Kindern verbringt und sie richtig erzieht. Ich glaube, es ist nicht nur wichtig, dass man sich weiterbildet und später studiert. Es ist auch etwas sehr Besonderes, eine Familie zu gründen, die harmonisch läuft; und man die Kinder kennt und man viel Zeit mit den Kindern verbringt und denen Moralvorstellungen und Wertevorstellungen beibringt, was richtig und was falsch ist, sich für die richtigen Dinge zu entscheiden, eine Persönlichkeit zu entwickeln, selbstbewusst aufzutreten und zu lernen, sozial zu sein. Man ist nicht nur emanzipiert, wenn man sich bildet, sondern man ist auch was Besonderes, wenn man Kinder richtig erzieht und viel Zeit mit ihnen verbringt.«

Zuschauer 37: »Ja hallo, mein Name ist Johannes. Ich wollte nur sagen, dass ich das auch sehr gut finde, obwohl ich jetzt kein Moslem bin, sondern Christ. Ich bin auch Hausfrau, und das ist eine richtig coole Sache. Häufig wird unsere Gesellschaft gleich Christentum gesetzt, weil man auch so viele krasse Sachen in der Gesellschaft sieht. Und man denkt, wenn dass das Christentum sein soll ndash die leben ihren Glauben ja nicht. Und dazu möchte ich einfach sagen, dass ein Christ nicht ein Christ ist, weil er sich so nennt, sondern der Jesus Christus nachfolgt und damit wirklich sagt: sbquoJesus ist mein Herrrsquo, das ist ein Christ. Und davon haben wir, ehrlich gesagt, auch nicht so viele bei uns in der Gesellschaft. Das wollte ich einfach sagen, weil, wenn ihr Dinge seht in der Gesellschaft, heißt das nicht sofort: Okay, das ist jetzt ein Christ und der handelt so und deswegen ist das Christentum so. Sondern es ist einfach so, dass Christ jemand ist, der sagt: sbquoJesus ist mein Herr und ich folge Jesus und ich liebe Jesusrsquo.«

Zuschauer 38: »Assalamu-aleikum wa rahmatullahi wa barakatu. Ich möchte mich erst einmal bedanken bei den ganzen Leuten, für jeden Beitrag, für dieses Projekt. Es sind sehr viele Beiträge von vielen wertvollen Menschen gewesen, denke ich. Jeder Gedanke sollte eigentlich auch ernst genommen werden. Ich möchte eigentlich dazu sagen, dass in der ganzen Sache eigentlich die Liebe fehlt. Wenn wir nur mit Korantexten und mit irgendwelchen Versen argumentieren und unsere Mitmenschen eigentlich nicht verstehen wollen oder Andersgläubige nicht vernünftig aufnehmen, denen nicht vernünftig diesen Respekt geben mit der Liebe und ihnen entgegen kommen, dann haben wir hier mit den Korantexten auch nichts erreicht. Also, wir werden dann auch kein Verständnis für unseren Glauben oder unsere Art von Glauben wecken können. Denn im Koran steht es auch bezogen auf den Propheten Mohammed ndash Friede und Segen auf ihm ndash wenn du die Liebe oder die Barmherzigkeit nicht hättest gegenüber den Menschen, dann hättest du nichts erreicht. Dann hättest du keinen Menschen um dich binden können. Also auch mit der Botschaft selbst kommen wir hier nicht voran. Also muss der Mensch eigentlich diesen Zugang zu Gott finden, dieses Gefühl finden. Und man sieht es, wenn Menschen so etwas haben. Und ich denke, das fehlt bei uns. Wir begegnen den Menschen nicht mit dieser Barmherzigkeit und dieser Güte und Liebe. Und das ist eigentlich unser Problem, weil wir vielmehr reagieren auf die Aktion, also auf unser Gegenüber. Wir reagieren in den meisten Fällen auch negativ, und wir verziehen unser Gesicht und lächeln nicht mehr. Es war sehr schön gewesen von einer Schwester, die gesagt hatte in dem Beitrag, dass sie es dennoch strahlend aufnimmt und trotzdem weiter lächelt. Und ich denke dabei, die Quelle selbst ist für uns wichtig. Auch wir müssen den Islam, wenn wir ihn verstehen wollen, mit der Quelle verstehen und nicht durch Personen verstehen. Personenbezogene Geständnisse können so irre führen. Es kann alles so schön aussehen, aber es ist immer noch nicht der Islam. Und der junge Herr vorhin hat gesagt ,es ist wirklich wichtig, dass wir auch in der Bibel lesen sollten, und das wir auch unseren Koran lesen sollten.«

Zuschauer 39: »Ich wollte mich bedanken, es war ein sehr schöner Abend, es war auch sehr interessant. Man hat also ein gewisses Bild davon bekommen können, wie es eigentlich in der islamischen Gesellschaft heutzutage zugeht.

Jetzt nur ganz kurz zu dem iranischen Film: Also es war jetzt ein Beispiel, dass er geschlagen wurde. Aber nicht jeder der schlechte Erfahrungen gemacht hat, sollte sich vom Islam abwenden. Sondern das sollte ein Grund sein, zu gucken. Also, das sollte ihn interessieren, man sollte erst einmal darüber forschen, bevor man irgendetwas Diskriminierendes darüber sagt.«

Zuschauer 40: »Also, wir haben jetzt viel gehört davon, dass wir tolerant sein sollen, und ich bin auch dafür. Und wir sollen auch auf Gemeinsamkeiten gucken, aber wir sollten auch keine Angst haben vor den Sachen, die wir nicht gemeinsam haben. Wo wir nicht gleich sind. Also, zum Beispiel, ich habe nichts dagegen, wenn man in Deutschland lernt gastfreundlich zu sein oder wenn man als Araber Pünktlichkeit lernt, was aber nichts mit dem Islam zu tun hat, pünktlich und genau zu sein. Da ist doch nichts dabei, wenn man die unterschiedlichen Sachen auch annimmt und voneinander lernt.«

Zuschauer 41: »Also ich find es sehr klasse, dass man hier versucht, Toleranz gegenüber der anderen Religion zu zeigen. Aber was mir fehlt: Man darf nicht vergessen, dass es auf der Welt ungläubige Menschen gibt. Deshalb schlage ich vor, als gemeinsamen kleinsten Nenner einfach: Man muss nicht religiös sein, um moralische Werte zu tragen und ich bin mir ganz sicher, dass ich die selben moralischen Werte habe, die ihr auch habt. Deshalb schlage ich vor als minimalen Nennwert, Mensch zu sein.«

Zuschauer 42: »Also ich möchte noch zum Abschluss sagen. Vielen ist es aufgefallen, dass wir immer dazwischen entscheiden müssen, deswegen haben sich auch viele gewehrt, dass nicht alles was als Islam ausgelegt wird, nicht alles Islam ist. Ich glaube wir müssen in unsere Köpfe bekommen, dass Religion ndash und nicht nur Religion ndash missbraucht wird. Und deswegen, wenn wir das verstanden haben, sollten wir eher fragen, wenn wir einem Moslem begegnen: Ist das der Islam, oder ist das tatsächlich so im Islam? Und nicht sagen: Ja, der Islam erlaubt dir, die Frauen zu schlagen. Und ich finde wir müssen von dieser Diskussion wegkommen und endlich mal über die wichtigen Sachen reden.«

Zuschauer 43: »So eine letzte und ganz kurze Anmerkung zum Frauenbild insgesamt. Der Prophet hat auch einmal gesagt: sbquoDerjenige von euch ist der beste Moslem, der seine Frau am besten behandeltrsquo.«

Zuschauer 44: »Der Prophet ndash Friede und Segen auf ihm ndash hat auch gesagt: sbquoAddin ul muamalarsquo. Ich glaube, dass die Muslime in eine Defensive gedrängt sind, und da müssen wir raus. Wir brauchen uns nicht zu verstecken, wir haben auch etwas beizutragen. Und wir wollen was Gutes für diese Gesellschaft. Und ich glaube, das muss man vermitteln.

Einerseits, sagt man, wir werden unterdrückt, andererseits unterdrückt man uns. Dieses Gefühl, das wir haben, nämlich, dass wir nicht für voll genommen werden, bringt uns dazu, dass wir teilweise nicht lächeln, denn es kostet uns sehr, sehr viel Kraft und nicht jeder hat Lust darauf. Wir müssen das trotzdem machen. Das ist unsere Aufgabe.«

Zuschauer 45: »Islam heißt, Gott ergeben zu sein. Jetzt stelle ich euch die Frage, wer von euch ist nicht Gott ergeben. Ich denke wir alle sind Gott ergeben.«

Zuschauer 46: »Sie haben vorhin gesagt, Religion ist eine Privatsache und es stimmt eh, dass man anderen Leuten nichts vorschreiben darf. Aber ich möchte Ihnen etwas sagen, und zwar: Wenn ich daran glaube, dass Allah alles um mich herum erschaffen hat (...), dann kann ich doch nicht sagen, ich glaube an Dich, aber ich bleibe mit Dir in diesem Zimmer. Ich gehe mit Dir nicht raus.[...] Ich liebe diese Religion. Ich liebe Allah, und daher trage ich meine Religion in meinem Herzen.«

Zuschauer 47: »Ich habe gesagt, ich bin der Meinung, dass Religion eine Privatsache ist. Ich habe das niemandem vorgeschrieben. Aber der Prophet hat niemals Religion und Staat auseinander gehalten, das muss man auch sagen. Ich finde, der Islam, oder jede Religion und jede Ideologie, kann in jeder Gesellschaft, in jedem Kontext der Gesellschaft anders interpretiert werden. Ich sag nur ein Beispiel: Im Iran dürfen Frauen fahren und in Saudi Arabien nicht. Oder zum Beispiel im Iran haben Frauen kein Recht auf Scheidung, Sorgerecht ist für Frauen fast nicht möglich. Aber in Marokko und Tunesien ist es scheinbar reformiert worden. Wenn wir zusammen in einer Gesellschaft leben wollen, dann müssen wir tolerant sein.«

Zuschauer 48: »Ich wollte noch mal was sagen als Schlusswort. Danke für den Schönen Abend. Für die schöne Arbeit, die hier gemacht worden ist. Ich meine, wir haben jetzt die Probleme erkannt. Goethe hat einen schönen Satz gesagt: sbquoToleranz ist nur ein Übergangsstadiumrsquo.«

Fotos: Till Brühne

 Zur Videoproduktion "Jung und Moslem 2"